Was ist mein Verständnis von Psychotherapie? Und: Wie arbeite ich am liebsten mit anderen Menschen zusammen, sodass ich dabei möglichst hilfreich für ihre Anliegen bin? Mit diesen beiden Leifragen möchte ich Ihnen gerne meine Perspektive aufzeigen und Sie dabei einladen, für sich zu prüfen, ob meine Vorstellungen bei Ihnen eher Zustimmung oder Ablehnung auslösen. Das sind bereits erste wertvolle Informationen für Sie – später vielleicht auch für mich – ob eine Zusammenarbeit für Sie stimmig ist oder nicht.
Dabei können sich natürlich auch Fragen ergeben, die ich Ihnen gerne bei einem Kennenlerntermin beantworte. So können Sie noch viel besser eine Entscheidung für oder gegen eine Psychotherapie treffen. Falls du dich als Jugendlicher oder junger Erwachsener lieber mit einem Du angesprochen fühlst, kannst du beim weiteren Lesen das „Sie" natürlich gerne durch ein „Du" ersetzen.
Verschiedene Therapieverfahren
Vielleicht haben Sie sich auch schon gefragt, was Psychotherapie überhaupt ist und welche unterschiedlichen Verfahren es gibt. Vielleicht sind Sie aber auch schon sehr gut informiert. Für alle Interessierten möchte ich eine kleine eventuell hilfreiche Orientierung anbieten: Neben dem von mir erlernten verhaltenstherapeutischen Ansatz gibt es aktuell als von den Krankenkassen finanzierten Verfahren die psychodynamisch orientierten Verfahren (tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und analytische Psychotherapie) und die systemische Therapie. Diese unterscheiden sich hinsichtlich der theoretischen Überlegungen, wie ein Problem entsteht und dementsprechend eine Lösung gefunden werden kann. In unterschiedlichen Gewichtungen fokussieren sie mal mehr auf die Biografie, den familiären Rahmen oder das aktuelle Verhalten.
Ich selbst habe die Approbation für die verhaltenstherapeutische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, wenn das Alter bei Therapiebeginn noch unter 21 Jahren liegt. Da die Vielfalt an Verfahren erst einmal überfordernd sein kann („Was soll ich denn nun machen?"), kann ein erstes Gespräch auch hierüber aufklären. Zugleich arbeiten die meisten Kolleg:innen ohnehin übergreifend und bedienen sich Haltungen und Methoden aus unterschiedlichen Therapieverfahren.
Wirksamkeit und Arbeitsbündnis
Eine wirklich falsche Entscheidung können Sie sowieso nicht treffen, da die vergleichende Therapieforschung zeigt, dass alle Verfahren ähnlich wirksam sind – und sogar sehr wirksam. Entscheidender ist tatsächlich, ob – egal welches Verfahren – ein gutes Arbeitsbündnis entsteht. Erst wenn Sie sich verstanden fühlen, wir eine tragfähige therapeutische Beziehung aufbauen können, Ihre Erwartungen mit meinen Angeboten übereinstimmen, sodass beispielsweise therapeutische Aufgaben für Sie sinnvoll sind und so Veränderungen möglich werden, ist eine Psychotherapie wirklich notwendend. Es kann also eine Abwendung vom als leidvoll Erlebten und eine Hinwendung zu neuen, hilfreicheren Erlebnisprozessen geschehen. Und wie funktioniert das meiner Meinung nach?
Mein therapeutischer Ansatz
Für mich ist es das Zusammenspiel von Gefühlen, die auf dahinterliegende Bedürfnisse verweisen und die immer (!) Berechtigung haben, was als Kern meiner Grundhaltung beschrieben werden kann. Ich betrachte daher unangenehmes Erleben und Symptome als Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse in Vergangenheit und Gegenwart, die gemeinsam entdeckt werden können und nun befriedigt werden dürfen. Es geht daher nicht um eine Veränderung der Bedürfnisse, sondern darum, den Blick auf die Strategien, mit denen wir unsere ganz eigenen Wünsche und Ziele zu erreichen versuchen, zu verändern. Da häufig auch verschiedene Bedürfnisse gleichzeitig vorhanden sein können, kann eine stimmige Balance ein weiterer wesentlicher Schritt zu mehr Wachstum sein. So kann Leid reduziert und Lebenszufriedenheit gefördert werden. Da Bedürfnisse außerdem häufig schon über Generationen hinweg nicht ausreichend befriedigt worden sind, sodass auch Eltern oftmals noch gar nicht so genau wissen, was ihre Kinder und mitunter sie selbst für ein Leben mit mehr Zufriedenheit und Glück brauchen können, wird deutlich, dass die Frage nach der Schuld für gegenwärtige Schwierigkeiten unpassend ist und ich diese daher nicht stellen werde.
Methodische Vielfalt
Meine verhaltenstherapeutisch-bedürfnisorientierte Grundhaltung findet sich in einer hypnotherapeutischen Haltung wieder, bei der es mir vor allem darum geht, mein Gegenüber in seinen leidvollen und weniger leidvollen (manchmal ja sogar schönen) Momenten möglichst tiefgreifend zu verstehen, um Veränderungsmöglichkeiten sichtbar und erlebbar zu machen. Diese Haltung wird ergänzt durch eine insgesamt methodisch offene systemische Perspektive. Das bedeutet, dass – systemisch – Verhaltensänderungen (zur Erinnerung: diese sollen Bedürfnisse mit weniger Leid für sich und andere sicherstellen) im Kontext von Familie, Freundschaften, Schule und Beruf sowie Freizeit auch auf ihre Auswirkungen hin betrachtet werden, um sie passgenauer umsetzen zu können. Die hypnotherapeutischen Methoden sind dabei als Katalysator zu betrachten, da sie häufig erstaunlich schnell Kompetenzen erlebbar und dadurch Verhaltensänderungen möglich machen.
Persönlich ist mir außerdem eine wertschätzende und humorvolle, teilweise bildhafte und spielerische Arbeitsweise wichtig, in der zugleich der Raum für Belastungen und intensive Gefühle in den Therapiesitzungen gewahrt bleibt.
Zeit und Vertrauen
Da ich Veränderung immer auch als Resultat eines gelingenden Arbeitsbündnisses verstehe, ist es mir wichtig, hervorzuheben, dass es dafür ausreichend Vertrauen braucht, um emotionale und belastende Themen einbringen zu können. Manchmal können tatsächlich schon wenige Termine ausreichen. Genauso dürfen hingegen schon lange andauernde Belastungen erst ausreichend in einer tragfähigen Beziehung gewürdigt werden, da gerade hierin oftmals bedeutsame Fähigkeiten und Bedürfnisse zum Ausdruck kommen.